Totale Denkverweigerung

MEDIENgedanken: Berichterstattung über Wahlen in Frankreich und Griechenland

Nach den Präsidentschaftswahlen in Frankreich und dem Urnengang für ein neues griechisches Parlament am vergangenen Sonntag haben sich in beiden Staaten linke Parteien durchgesetzt. Statt einer sachlichen Analyse der Situation, überwiegt bei der deutschen Berichterstattung blindes Vertrauen in die bisherige Europapolitik der deutschen Regierung. Betrachtet man dieser Tage den Tenor der meisten Medien hierzulande, dann wird einem unweigerlich das Unwort des Jahres 2010 (»Alternativlos«) in Erinnerung gerufen. Die Wirtschaftskrise hat Europa seit 2008 fest im Griff und die einzige Antwort der Politik in den jeweiligen Ländern erschöpfte sich in der gebetsmühlenartigen Predigt einer alternativlosen Sparpolitik. Alternativlos an dieser Situation ist höchstens das, was infolge dessen in Frankreich und Griechenland am vergangenen Sonntag geschah. –> Weiterlesen

Erschienen am 12.05.2011 in der Tageszeitung »neues deutschland«

Posse mit Innenministerium

Ein Chemnitzer Karfreitagskonzert mit Folgen

Die Musiker der deutschlandweit bekannten Band »Kraftklub« haben mit einem nicht genehmigten Freiluftkonzert am Karfreitag im sächsischen Chemnitz für Aufsehen gesorgt. Mittlerweile interessiert sich sogar das Innenministerium in Dresden für den Auftritt, während die Stadtverwaltung den Vorfall zu den Akten legen will.

Für ihre Anhänger sind sie Helden, welche das angestaubte Ansehen ihrer Heimatstadt ein wenig aufpolieren wollen, für so manchen Christen sind sie seit Karfreitag wohl eher ein echter Fluch. Die fünf Jungs der Chemnitzer Rockband »Kraftklub« hatten vor einer Woche in ihrer sächsischen Heimatstadt einen ungewöhnlichen Auftritt. Die deutschlandweit bekannten Musiker gaben am Karfreitag zusammen mit der Berliner Hip-Hop-Formation K.I.Z. ein rund 45-minütiges Konzert auf dem Dach einer Disko, welche sich in der Chemnitzer Innenstadt direkt gegenüber dem Karl-Marx-Monument befindet. –> Weiterlesen
Erschienen am 14.04.2011 in der Tageszeitung »neues deutschland«

Kunst braucht Freiraum zum Atmen

MEDIENgedanken: Arte, Quote und Boulevard

Die Verantwortlichen für den deutsch-französischen Kulturkanal Arte wollen seit Januar stärker auf die Quote anstatt auf den Inhalt ihres Programms schauen. Dabei ist das Schielen auf den Massengeschmack nicht Auftrag dieses einmaligen Projektes. Es ist ganz gewiss ein Zufallstreffer, doch dieser steht symptomatisch für eine sich schon länger abzeichnende Entwicklung beim deutsch-französischen Fernsehsender Arte. Es ist Mittwochvormittag. Das Privatfernsehen wird einmal mehr seinem Ruf als Resterampe im nicht enden wollenden Prozess der Medienverwertung für Formate voller Vorurteile und Klischees gerecht. Längst nicht jeder Mensch erträgt auf Dauer diese Darstellung von Laiendarstellern, wie sie für eine Hand voll Euro den verzweifelten Versuch unternehmen, aus gescripteter Realität einen Hauch von Authentizität herauszuquetschen. Wie gut, dass es fernab der immer günstiger produzierten Welt des Boulevard bis heute noch Inseln gibt, die nicht der Logik von Quote durch Quantität zulasten der Qualität geopfert werden. Der deutsch-französischer Partnersender Arte ist solch ein Rückzugsort für diejenigen, welche intelligentes Fernsehen mögen. –> Weiterlesen

Erschienen am 07.04.2011 in der Tageszeitung »neues deutschland«

Europa in der Sparfalle

Forscher warnen vor anhaltender Rezession in den Euroländern

Der Sparkurs im Euroraum wird die deutsche Wirtschaft in den kommenden zwei Jahren hart treffen. Noch ungünstiger sieht es für die anderen Staaten der Gemeinschaftswährung aus, prognostizieren mehrere Wirtschaftsforscher. In den nächsten Jahren wird es für die große Mehrheit der Euro-Staaten zu einer Verschärfung der Wirtschaftskrise kommen. Das DGB-nahe Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) aus Düsseldorf, das Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) in Wien und das Pariser Institut OFCE warnen in ihrem zweiten gemeinsamen aktuellen Konjunkturreport vor einer deutlichen Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage. –> Weiterlesen
Erschienen am 30.03.2011 in der Tageszeitung »neues deutschland«

Gesunde Arbeitnehmer

Kommentar von Robert D. Meyer

Eigentlich ist die unternehmerische Gleichung simpel: Gesunde Beschäftige sind die Vorrausetzung für ein gesundes Unternehmen. Doch laut des aktuellen DGB-Index »Gute Arbeit« beherzigt kaum eine Firma diese einfache Rechnung. Stattdessen herrscht in vielen Führungsetagen noch immer der frühindustrielle Irrglaube, man müsse aus dem Produktionsmittel Mensch möglichst viel herausquetschen. Doch dies ist ein Trugschluss. Wer die psychischen Belastungen seiner Angestellten in die Höhe treibt, muss sich nicht wundern, wenn sich Krankheitsausfälle häufen, weil der tägliche Druck zu groß geworden ist. –> Weiterlesen Erschienen am 28.03.2011 in der Tageszeitung »neues deutschland«