Krise straft vor allem junge und ältere Arbeitnehmer

Vor allem viele junge Arbeiter rutschen sofort ins Hart IV System. Foto: fabian-felixWirtschaft. Hinsichtlich der weltweiten Krise steigen die Arbeitslosenzahlen in Deutschland kontinuierlich und vor allem jüngere und ältere ArbeitnehmerInnen haben darunter zu leiden. Die Krise trifft zwei Arbeitnehmergruppen besonders hart. Der DGB veröffentlichte im neuen “Arbeitsmarkt aktuell” eine Analyse zum derzeitigen Krisenstand und setzt dabei den Fokus auf die Veränderungen der Erwerbstätigenzahlen bei jungen und älteren ArbeitnehmernInnen. Nach Berechnungen des Gewerkschaftsbundes, anhand der Daten der ersten fünf Monate des Jahres, stieg die Zahl der Erwerbslosigkeit bei den 15 – 24 Jährigen und den über 55 Jährigen im Mai 2009 dreimal stärker an, als die Arbeitslosigkeit insgesamt. Vergleicht man die Zahlen mit denen vom Mai 2008 erhöhte sich die Arbeitslosigkeit in Deutschland um 5,3 Prozent, bei den Jüngeren um 16,1 Prozent und die der Älteren sogar um 17,3 Prozent. Dabei sind von diesem Trend ArbeiterInnen in West und Ost betroffen. Vor allem die Zahlen im Westen sind erschreckend: Die Zahl der jungen Erwerbslosen stieg hier um 24,5 Prozent und die der Älteren um 19,1 Prozent. Der Osten ist aufgrund weniger Industriearbeitsplätze und einem starken Geburtenrückgang nach der Wende weniger stark betroffen.

Junge und Alte profitieren nicht vom Demografischen Wandel

Beide Bevölkerungsgruppen sind stärker von Arbeitslosigkeit betroffen als andere Personengruppen. Nur etwa die Hälfte von ihnen wird von der Arbeitslosenversicherung versorgt, die andere Hälfte fällt in das Hartz IV System. Vergleicht man Ost und West, besitzt  die Arbeitslosenversicherung in den alten Bundesländern eine größere Bedeutung für beide Gruppen. Wohingegen viel mehr Erwerbslose in den neuen Bundesländern auf Hartz IV angewiesen sind. In beiden Gruppen sind zu einem viel größeren Anteil Männer, welche in der stark schwächelnden Industrie arbeiten, die Opfer jenes Trends geworden. Frauen sind in dieser Arbeitsdomäne immer noch viel seltener vertreten und daher auch weniger stark betroffen. Die aktuelle Tendenz sinkender Erwerbstätigkeit bei jüngeren und älteren ArbeitnehmerInnen steht im Widerspruch zur von Politik und Wirtschaft geforderten längeren Lebensarbeitszeit. Durch die gesellschaftlichen Entwicklungen im Demografischen Wandel sagten Experten steigende  Arbeitschancen für die gerade jetzt in der Krise gestraften Arbeitnehmergruppen  voraus. Ältere würden in einer alternden Gesellschaft und Belegschaft  länger gebraucht, doch dies scheint nicht wirklich der Fall zu sein, wenn man die Realität betrachtet. Durch die Krise unter Druck gesetzte Unternehmen entlassen vor allem Ältere, weil sie sie als schwache Glieder im Arbeitssystem betrachten, welche nicht mehr genug leisten können. Ist man als Älterer erst mal seinen Arbeitsplatz los, so wird es für einen sehr schwer werden, sich wieder in ein neues Beschäftigungsverhältnis eingliedern zu können. Etwa 40 Prozent der über 50-jährigen Arbeitslosen ist über ein Jahr ohne Job, etwa jeder Vierte ist länger ohne Beschäftigung.

Ausgelernte und Unterqualifizierte haben es schwer

Infolge der niedrigen Geburtenrate sollen die Arbeitschancen für junge Erwerbstätige steigen. Doch gerade sie werden zu tausenden entlassen, weil sie meist als Leiharbeiter eingesetzt oder nur in befristete Arbeitsverträge gebunden sind, somit auch kaum über einen Kündigungsschutz verfügen. Oft werden junge ArbeiterInnen aufgrund geringer Bildung und Qualifikation entlassen. In Krisenzeiten wollen Betriebe vor allem gut ausgebildete Fachkräfte halten. Zudem haben sie meist zu kurz gearbeitet oder zu wenig verdient, um Arbeitslosengeld beziehen zu können. Sehr viele junge Arbeiter müssen deshalb direkt  Hartz IV beantragen. Auch die Zahl der Ausbildungsstellen ist gesunken, um ganze 50.000 Plätze. In den letzten beiden Jahren fanden insgesamt 320.000 Jugendliche keinen Ausbildungsplatz. Bundesweit haben 1,5 Mio. junge Erwachsene zwischen 20 und 29 Jahren keine Berufsausbildung und etwa ein Drittel davon auch keinen Schulabschluss. Das Problem wird aber auch in den  Übergangsschwierigkeiten vom Ausbildungsabschluss zum zukünftigen Arbeitsplatz gesehen. Betriebe können/wollen ihre Lehrlinge meist nicht mehr übernehmen, oder die jungen ArbeiterInnen finden nur befristet Anstellungen (oft in Leiharbeit). Aus Sicht des DGB, wird sich die Lage wohl noch verschärfen und ein Handeln ist dringend erforderlich.

Bildungsarmut ist also ein Grund für ein höheres Arbeitslosigkeitsrisiko. Deshalb fordert der DGB mehr Investitionen in Schul-, Berufs- und Weiterbildung, um die Zukunftschancen junger und älterer Menschen zu erhöhen.

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http://www.wikio.de Von DwD Autor Ulrike Roche
Dieser Artikel wurde am 22. Juli 2009 veröffentlicht und fällt unter die Kategorie Allgemein, Wirtschaft. Du kannst allen Kommentaren über diesen Text mit Hilfe des RSS 2.0 Feed folgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu schreiben oder einen Trackback von deiner eigenen Webseite zu hinterlassen.

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