Wirtschaft. Laut den Zahlen des Statistischen Bundesamtes ist die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal diesen Jahres überraschend um 0,3 Prozent gewachsen. Für Bundeskanzlerin Angela Merkel müssen die heute veröffentlichten Zahlen eine große Freude gewesen sein. Wie die Zahlenjoungleure aus Wiesbaden mitgeteilt haben, ist das BIP im zweiten Jahresquartal um ganze 0,3 Prozent gewachsen. “Experten” hatten dagegen noch mit einem Rückgang gerechnet. Ist die Talsohle der Rezession also bereits erreicht und geht es hier und heute mit der Wirtschaft wieder bergauf? Mitnichten, denn was auf den ersten Blick so positiv klingt, ist in Wahrheit ein erkauftes Wachstum, was uns nach der Bundestagswahl wieder einholen wird.
Abwracken für die Wirtschaftsleistung
Doch was sind o,3 Prozent Wachstum eigentlich wert? Wie immer sind es Zahlenspielereien und eine stark vereinfachte Nachricht, welche bei vielen hängen bleiben wird. “Die Wirtschaft wächst wieder!” So lautet die Parole und mehr sollte um Himmelswillen nicht bei den WählerInnen, pardon BürgerInnen, hängen bleiben. Frau Merkel wird die berechnete Botschaft indes mehr als wohlwollend zur Kenntnis nehmen, denn sie wird die Meldung als Sieg der Großen Koalition auslegen und die besteht in den Köpfen der Menschen vorallem eben aus der Union. Doch zurück zum erkauften Wachstum. Was sich hinter solchen Zahlen versteckt, ist bei genauerer Betrachtung recht interessant. So bedeuten 0,3 Prozent Wachstum in Euro ausgedrückt, laut Zahlen des Bundesamtes gerade einmal 3,37 Milliarden. Unsere Wirtschaft hat also im Vergleich zum ersten Quartal des Jahres um nicht einmal dreieinhalb Milliarden Euro zugelegt und schon wird gejubelt? Dabei ist das Wachstum durch den Steuerzahler teuer erkauft worden, beispielsweise durch die Abwrackprämie (Gesamtwert fünf Milliarden Euro), welche einen kurzfristigen Run auf Neuwagen auslöste und somit den Konsum einseitig ankurbelte. Ebenfalls in die Zeit des zweiten Quartals fällt der Kinderbonus von 100 Euro, welcher immerhin mit Gesamtkosten von 1,5 Milliarden zum Konsum beigetragen hat. Insgesamt lässt sich also feststellen, dass viel kurzfristige Effekte aus den von der Bundesregierung beschlossenen Konjunkturpaketen im Frühjahr ihre Wirkung entfalten haben. Und zu klären ist ebenfalls, inweit die Milliardenhilfen für Banken und andere Unternehmen sich auf das BIP durchgeschlagen haben?
Nach der Wahl kommt das Erwachen
Spannend ist allerdings die Frage, was nach der Bundstagswahl passiert und viele Maßnahmen auf den Prüfstand kommen. Was passiert beispielsweise mit den rund 1,4 Millionen Kurzarbeitern? Kommt es zu einer Entlassungswelle in den Unternehmen, welche sich wiederum negativ auf das Wachstum auswirken würde? Kommt es eventuell zu einer Erhöhung der Mehrwertsteuer, wie in schwarz-gelben Kreisen geunkt wird? Dies wäre ebenfalls nicht positiv für ein wachsenden BIP. Überhaupt bedeuten 0,3 Prozent bei aller Nüchternheit nicht mehr als einen Stillstand. Denn damit wieder neue Arbeitsplätze geschaffen werden, müssten schon ganze zwei Prozent her. Davon ist Deutschland allerdings noch Meilen entfernt.
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