Es gibt nichts mehr zu sagen

Nichts los im Fernsehen. Foto: gothopotam

Entertainment. Der heutige Freitag ist ein großer Meilenstein der TV-Geschichte: Mit Oliver Geissens letzter Sendung, seiner nach ihm selbst benannten Talkshow, geht eine 20-jährige Ära auf deutschen Privatsendern zu Ende. Unsere TV-Landschaft wurde in den letzten Jahren gründlich ausgemistet. Seit Anfang der 90er Jahre flimmerten bis zum heutigen Tag Daily Talks, welche meist auch als Unterschichten-Format bezeichnet werden, über die Bildschirme der Nation. Es waren die US-Amerikaner, welche schon in den 50er-Jahren eine „Gesprächssendung“ im TV ausstrahlten und den Trend zum öffentlichen TV-Auftritt in einer von einem Moderator („Talkmaster“) geführten Diskussion setzten. Über die Jahre entwickelte sich dieses Genre zu verschiedenen Talkformaten. Seit den 80er Jahren wurden „Daily Talkshow“ und „Confro-Talks“ zu einem wichtigen Bestandteil der US-Amerikanischen Fernsehwelt. In Deutschland etablierte RTL mit Hans Meiser den ersten TV-Talk mit „ganz normalen“ Menschen, welche heiß über Tabu-Themen diskutierten. Scheinbar gefiel es den Zuschauern, anderen Menschen dabei zu zusehen, wie sie sich in aller Öffentlichkeit zum Affen machten oder ihr Leid aller Welt kundtaten. Der Mensch ist eben von Natur aus ein sehr einfach gestricktes Wesen und will noch mehr Wahnsinn des „alltäglichen“ Lebens hautnah miterleben.

Asi, Bitch und Pöbelthemen

Bald darauf folgten Sendungen, wie Ilona Christen (RTL), Arabella (ProSieben), Bärbel Schäfer (RTL), Vera am Mittag und Kerner (Sat.1). Ja selbst die Öffentlich-Rechtlichen machten nicht Halt davor einen eigenen „Quatscher“ mit Fliege (ARD) ins Rennen zu schicken. Anfangs noch neu und durchaus interessant, gaben sie eine seichte Unterhaltung für bügelnde Hausfrauen, Schichtarbeiter und am Nachmittag nach Hause kehrende Schüler. Mit den Jahren wurden Themen und Gäste immer anspruchsloser. Viele Formate setzen sogar auf gecastete Figuren, die Klischeebilder bedienten und das angeödete Publikum schockieren sollten. Talkrunden entwickelten sich zu niveaulosen Nackedei Shows für Voyeuristen und Pöbelrunden. Themen wie „Ab vier Kindern ist man Asi“, „Du Bitch – Deine Eifersucht zerstört unsere Freundschaft!“, „Fettmagnet – An dir bleibt jede Pommes kleben!“ zeugen nicht von viel Anspruch. Vaterschaftstests, Schönheitsoperationen, Rubensfrauen in Dessous und an Gogo-Stangen, Brüstewiegen, Familienzusammenführung, Geständnisse, Trennungen und Heiratsanträge – Es gab wohl nichts, was die Talkmaster nicht in ihren Shows erlebten. Doch seit Anfang des Jahrzehnts gibt es ein großes Sterben auf der Talkshow-Wiese – Eine Seuche greift um. Wenn die Quote nicht mehr stimmt und man es auch nicht mehr wieder höher schrauben kann, wird eine auch noch so etablierte Sendung abgesetzt. Mit dem Thema  “Altersunterschied – Mein Mann ist 40 Jahre älter” gab es deshalb auch für Oli Geissen nach zehn Jahren und 1807 Sendungen den letzten Pöbel-Talk. Während die Zuschauer sich mittlerweile an Gerichtsshows, Reality-Soaps und Seifenopern erfreuen, bzw. den letzen Teil ihres Gehirns neben der Fernbedienung ablegen, gibt es nur noch eine verlorene Einzelkämpferin im deutschen Talkgeschäft: Britt Hagedorn und ihre Sendung „Britt – Der Talk um Eins“. Doch irgendwann ist überall mal Schluss. Die Zuschauer sind gesättigt und warten auf den nächsten TV-Irrsinn bei dem sie ihr zentrales Nervensystem abschalten können.

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http://www.wikio.de Von DwD Autor Ulrike Roche
Dieser Artikel wurde am 28. August 2009 veröffentlicht und fällt unter die Kategorie Entertainment. Du kannst allen Kommentaren über diesen Text mit Hilfe des RSS 2.0 Feed folgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu schreiben oder einen Trackback von deiner eigenen Webseite zu hinterlassen.

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