Geier stürzen sich auf Ausverkauf bei Quelle

Kommentar. Heute begann der Ausverkauf beim ehemaligen Versandriesen Quelle. Die Kundschaft stürmte das Onlineportal und benahm sich wie beim Leichenschmaus des ungeliebten reichen Onkels. Quelle ist tot, es lebe Quelle! Beim ehemals führenden Versandhandel Deutschlands spielen sich seit heute Szenen ab, welche wie ein groteskes Schauspiel unserer modernen Gesellschaft daherkommen. Auf der einen Seite die traurigen Fakten: Der Versandhandel wird mehr oder weniger “überraschend” nach über 80 Jahren Firmengeschichte abgewickelt und ein Großteil der rund 3300 Mitarbeiter verliert ihren Arbeitsplatz. Einzig die Angestellten der Technik-Eigenmarke Privileg (u.a. Waschmaschinen) können momentan auf einen neuen Investor hoffen. Doch die Liquidierung eines Unternehmens, wie es im Insolvenzrecht nüchtern heißt, kostet bekanntlich Geld. Mitarbeiter sollen zumindest mittelfristig durch einen Sozialplan unterstützt werden und Gläubiger wollen ihre offenen Rechnungen bezahlt sehen. Daher muss alles möglichst schnell raus aus den vollen Lagern, was irgendwie noch zu verkaufen ist. Die eigentlich für das Weihnachtsgeschäft gedachten Waren werden buchstäblich verfeuert, werden jetzt auf der eigens für den Ausverkauf überarbeiteten Webseite mit Preisnachlässen von bis zu 60 Prozent angeboten. Und siehe da: Plötzlich wittern die Geier namens Kundschaft ein Schnäppchen und bringen die Server der Bestellannahme an ihre Leistungsgrenze. Doch statt Worten des Bedauerns über die Insolvenz von Quelle zu äußern, hört man in einschlägigen Foren immer häufiger von genervten Kunden, welche aufgrund des Zusammenbruchs der Webseite unter dem Ansturm der Trauergäste bisher kein Stück vom Leichenschmaus abbekommen haben. Es herrscht eine Stimmung vor, welche sonst nur auf der Beerdigung des schwerreichen Onkels vorkommen würde. Einzig eine Frage scheint zu interessieren: Was habe ich vom Tod und wie groß ist mein Teil an der Hinterlassenschaft? Plötzlich tauchen (Neu)kunden auf, welche sonst nie im Leben bei Quelle eine Bestellung getätigt hätten. Hauptsache man bekommt sein persönliches Schnäppchen. Und während man sich über den Kauf des viel zu groß geratenen Kleides ärgert, welches im Katalog doch so schön ausgesehen hat, geraten tausende von Einzelschicksalen der Quelle-Mitarbeiter in Vergessenheit.

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http://www.wikio.de Von DwD Autor Robert Meyer
Dieser Artikel wurde am 1. November 2009 veröffentlicht und fällt unter die Kategorie Wirtschaft. Du kannst allen Kommentaren über diesen Text mit Hilfe des RSS 2.0 Feed folgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu schreiben oder einen Trackback von deiner eigenen Webseite zu hinterlassen.

2 Responses to “Geier stürzen sich auf Ausverkauf bei Quelle”

  1. Susan

    Sie meinen Schnäppchen zu bekommen. Sind es aber in Wirklichkeit nicht. Jedes schließende Geschäft ist günstiger als das Pleite gegangene Versandhaus. Die Jagd nach den vermeintlichen Schnäppchen wurde von den Medien und dem zusammenbrechenden Server angeheizt. Und das Hirn der Massen setzte aus, totale Leere, totale Gier. Sie hätten auch die Waren teurer gekauft, nur um bei der Leichenfledderei dabei gewesen zu sein. Ein Event besonderer Art in einer Gesellschaft, die hauptsächlich nur noch eventet.

Trackbacks

  1. Schnäppchenjagd bei Quelle vs. Geiz ist Geil Mentalität der Deutschen « strassenblog

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