Netzeitung geht vom Netz

Medien. Die zur Mediengruppe M. DuMont Schauberg gehörende Netzeitung wird Ende des Jahres von den Bildschirmen verschwinden. Ein Nachruf. Bei einem Pionier des Internets werden am 31. Dezember 2009 nach nicht einmal zehn Jahren Arbeit die Lichter ausgehen. Wie eine Sprecherin der Mediengruppe DuMont gestern per Pressemitteilung erklärte, wird die Netzeitung zum Jahresende hin eingestellt. Damit endet die Ära der ersten rein im Internet erscheinenden überregionalen deutschen Tageszeitung, welche eine eigene Belegschaft von immerhin zwölf Redakteuren beschäftigte. Doch lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende. Der Verlag entschied sich, wie hätte es auch anders sein können, aus einem einzigen Grund für die Beendung des ehrgeizigen Projekts in dieser Form: Die Rendite stimmt einfach nicht.

Leserkreis reichte nie aus

“Aus wirtschaftlichen Gründen wird das bisherige Konzept einer Internetzeitung mit eigener Redaktion zum 31. Dezember 2009 aufgegeben. Aus diesem Grund wird sämtlichen Mitarbeitern in Kürze betriebsbedingt gekündigt werden” heißt es in einer offiziellen Erklärung. Dabei war das baldige Ende, bei aller Begeisterung für die Idee, schnell abzusehen. Schon Ende letzten Jahres wurden die Verträge mit allen frei Beschäftigten Journalisten gekündigt. Seit ihrer Entstehung im Frühjahr 2000 wechselte der Eigentümer der Netzeitung ganze sieben Mal. Solch ein Chaos scheint nicht gerade die beste Basis, für ein Wachstum der Besucherzahlen zu sein, denn allein die User waren es, auf welchen die Finanzierung des Angebotes basierte. Das Problem der Netzeitung bestand von Anfang an darin, dass ein wesentlicher Teil der Einnahmen aus Werbung hätte generiert werden müssen. Doch bis heute hat sich im Internet dafür noch kein wirklich tragfähiges Konzept durchgesetzt. Auch ein zuweilen von der Redaktion eingeführtes Abo-System für zusätzliche Inhalte brachte nicht den erwünschten Erfolg. An kreativen Ideen hatte es jedenfalls nie gemangelt. So bewarb sich die Onlinezeitung im Jahr 2005 um eine Radefrequenz im Großraum Berlin, welche sie sich später mit dem Sender MotorFM in einer Kooperation teilte. Zudem beliefert die Netzeitung verschiedene Fernsehsender mit Nahrichten für den Teletext. Letztere Aktivität soll in anderen Unternehmensteilen des DuMont Verlages weitergeführt werden.

Reine Netzprojekt verdammt?

Bleibt die Frage zu klären, ob reine Nachrichtenportale im Internet überhaupt ein tragfähiges Konzept haben? Immerhin hatte es vor kurzem mit Zoomer.de ein relativ ähnliches Projekt nach deutlich kürzerer Zeit erwischt. Für die Zukunft müssen also Ideen her, wie Zeitung online überleben können. Ein erster Schritt wäre es, wenn die Eigentümer ihre teilweise illusorischen Renditevorstellungen zurückschrauben würden. Dem Qualitätsjournalismus täte eine derartige Entscheidung jedenfalls gut.

PS: Die Netzeitung soll als voll automatisierte Newsseite erhalten bleiben. Ist vielleicht billiger, wird aber nichts anderes als der Einheitsbrei, welchen man bei allen anderen schon lesen kann.

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Dieser Artikel wurde am 7. November 2009 veröffentlicht und fällt unter die Kategorie Gesellschaft. Du kannst allen Kommentaren über diesen Text mit Hilfe des RSS 2.0 Feed folgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu schreiben oder einen Trackback von deiner eigenen Webseite zu hinterlassen.

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