Politik. Pünktlich zu den Feierlichkeiten zum Tag des “Mauerfalls” wird eine Studie veröffentlicht, welche das siegreiche System namens Kapitalismus erschüttern könnte. Es gibt Nachrichten, die wollen wir einfach nicht wissen. Und dennoch gibt es große bunte Blättchen, welche uns jeden Schnipsel zum Tag des Mauerfalls unter die Nase reiben müssen. Wie unsere investigativen Kollegen von der Zeitung mit den vier Buchstaben herausfanden, hat unsere allseits geliebte Bundeskanzlerin besagten Tag, also den 9. November 1989, nun ja, schwitz, Schweiß… in der Sauna verbracht. Eigentlich schade, hätte unsere Kämpferin für die Freiheit doch lieber die Situation für ein bisschen Verklärung ihrer eigenen Biografie genutzt und besser behauptet, sie habe in der Nacht auf den Resten des real existierenden Sozialismus getanzt. Neu-Außenminister Guido Westerwelle (FDP) soll nach eigenem Bekunden übrigens damals wie ein kleiner Junge geweint haben, als er die Nachricht von der Grenzöffnung erhielt. Vielleicht dachte der marktradikale Freidenker auch einfach nur an die potenziellen Schar von16 Millionen neuer Kunden für unbrauchbare Westprodukte, welche nach kurzem Gebrauch ihren Geist aufgaben.
Menschheit betrachtet Kapitalismus kritisch
Doch nun zu den harten Fakten: Der Tag als die Mauer fiel, schien auch der Tag gewesen zu sein, als sich der Kapitalismus zum glorreichen Sieger und damit zum unumstößlichen Wirtschaftssystem emporschwang. Gut 20 Jahre hielt dieser Glaube, doch nun bringt eine Studie des Umfrageinstituts GlobeScan und der Universität von Maryland im Auftrag der BBC einige interessante Ansichten ans Tageslicht. Zur Erhebung der Daten wurden weltweit 29.000 Menschen in insgesamt 27 Staaten befragt. Das Ergebnis kurz zusammengefasst könnte lauten: Der Hexenkessel könnte irgendwann überlaufen. Die schönste Zahl findet sich gleich zu Anfang des Papiers. Nur 11 Prozent der Befragten finden den Kapitalismus in seiner jetzigen Form gerecht! Im Umkehrschluss kann dies demnach nur heißen, dass eine satte Mehrheit das noch führende weltweite Wirtschaftssystem in seiner heutigen Form ablehnt.
Kaum verwunderlich, dass der Kapitalismus (noch) mit 25 Prozent den größten Zuspruch in den USA findet. Fast jeder vierte Befragte weltweit (23 Prozent) wünscht sich sogar eine komplett neue Wirtschaftsordnung! Das Großkapital kann also schon einmal die Koffer packen…
Mehr Regulierung notwendig!
Worüber eine Mehrheit der Regierungen noch diskutiert, fordert jetzt schon eine Mehrheit der Befragten ein. Etwa 51 Prozent fordern eine stärkere Regulierung des Finanz- und Wirtschaftskreislaufes. Zudem setzen sich Mehrheiten in 22 der 27 an der Untersuchung teilgenommen Staaten dafür ein, dass die Regierungen den Wohlstand gleichmäßiger zu verteilen haben. Der Sieg der Freiheit vor 20 Jahren war also keinesfalls einhergehend mit dem endgültigen Sieg des Kapitalismus.
PS: Passend zum Thema kommt diesen Donnerstag Michael Moores neuer Film “Kapitalismus – Eine Liebesgeschichte” in die Kinos.
November 9th, 2009 at 19:33
Meiner Ansicht nach brauchen wir dringend ein neues Modell der „sozialen Marktwirtschaft“, das eine Symbiose ist aus freier Marktwirtschaft und sozialer Staatswirtschaft. Beide Systeme haben ihre Stärken und ihre Schwächen. Deshalb sollten beide Systeme so miteinander kombiniert werden, dass sich die Stärken ergänzen und dass die Schwächen so weit wie möglich kompensiert werden. Meine konkreten „Ideen für eine bessere Wirtschaftsordnung“ habe ich in folgendem Text ausformuliert:
http://www.scribd.com/doc/20282461/Elias-Erdmann-Ideen-fur-eine-bessere-Wirtschaftsordnung
November 10th, 2009 at 22:49
@Mehr Regulierung notwendig!
Mehr Regulierung – mag sein. Auf jeden Fall aber mit anderem – charakterlich geeignetem Führuingspersonal.
mfg zdago
Dezember 1st, 2009 at 18:48
In der Studie steht : “In Germany, however, there is very little support (8%) for a different economic system, with nearly three in four (74%) feeling that free market capitalism’s problems can be addressed by regulation and reform.”
Tja, Englisch verstehen müsste man. Da steht, dass nur 8% ein Systemwechsel wollen und die grosse Mehrheit davon ausgeht, dass sich die Probleme durch Regulierung und Reformen lösen lassen.
Falsch ist die Behauptung im Blog, dass ” … etwa 51 Prozent … eine stärkere Regulierung des Finanz- und Wirtschaftskreislaufes …” fordern. Stattdessen wird eine aktivere Rolle der Regierung gefordert.
Fazit: Dummer-weiser-Deutscher kann keine Studien interpretieren. Der Name passt zum Programm.
Dezember 2nd, 2009 at 18:32
Anmerkung der Redaktion: Weiß leider nicht, wo ich mich in meinen Text auf das spezifische deutsche Ergebnis beziehe.
Tja, lesen sollte man können, denn ich werte die internationalen Ergebnisse aus!
Auch die 51 Prozent, welche eine stärkere Regulierung der Finanzmärkte fordern, ist richtig wiedergegeben. Ich weiß also nicht, was diese Kritik am Text für einen Sinn haben soll.