International. US-Präsident Barack Obama hat gestern in Oslo den Friedensnobelpreis entgegen genommen. Doch spätestens nach seiner Rede sollte er den Preis zurückgeben. Am Anfang hielt man es noch für eine gute Idee, Obama den wohl wichtigsten Preis der Menschheit bereits nach so kurzer Zeit in Amt und Würden zu verleihen. Es hätte ein Ansporn werden können, ein Druckmittel um den USA endlich ein Umdenken in ihrer radikalen Außenpolitik abzuringen. Kein Land der Erde tummelt sich momentan auf so vielen selbst verursachten Kriegsschauplätzen, wie die USA. Zwar tritt Obama mit den Krisenherden Afghanistan und Irak ein vom Vorgänger Bush hinterlassenes Erbe an, was die Sache schon schlimm genug macht, doch mit seinen bisherigen Entscheidungen hat er der weltweiten Friedensbewegung keinen Dienst erwiesen. Exemplarisch dafür stehen allein die zusätzlichen 30.000 Soldaten, welche der Präsident demnächst an den Hindukusch schicken will. Obamas Antwort auf den teilweise vom Westen mitverschuldeten Terror lautet also: “Gewalt muss mit Gewalt bekämpft werden!”
“Existenz des Bösen in der Welt”
Wer Obamas Rede gehört hatte, musste sich phasenweise an seinen Amtsvorgänger George W. Bush erinnert fühlen, denn auch er warf mit der Phrase der “Existenz des Bösen in der Welt” nur so um sich. Um die freie Welt vor “bösen Regimen” und “Terroristen” zu schützen, sei es legitim Krieg zu führen. Der Zweck scheint demnach jedes Mittel zu rechtfertigen. Krieg sei nötig, “um den Frieden zu erhalten”. Doch der neue Kriegspräsident Obama geht sogar noch einen Schritt weiter und zieht zur Begründung seines Vorgehens einen Vergleich heran, welcher an Absurdität nicht zu überbieten ist. Wörtlich sagte er in seiner Rede: “Das Böse existiert in der Welt. Eine gewaltfreie Bewegung hätte Hitlers Wehrmacht nicht aufhalten können. Verhandlungen können die Anführer von Al Kaida nicht dazu bringen, ihre Waffen niederzulegen.” Bisher konnte man Obama ja für einen intelligenten Mann halten, doch dieser Vergleich, welcher leider von den wenigsten deutschen Medien beachtet wurde, entbehrt jeder Grundlage. Obama nimmt sich doch tatsächlich das Recht heraus, den größten Verbrecher der Menschheit, welcher 55 Millionen Menschen mit seinem menschenverachtenden Plan in den Tod gerissen hat, mit der aktuellen Situation und Al-Qaida gleichzusetzen?
Vielleicht ist uns etwas entgangen, aber mir wäre nicht bekannt, dass Al-Qaida mal eben mit einer Armee in ein Land einmarschiert ist und einen Vernichtungskrieg vom Zaun gebrochen hat. Hitler konnte ab einem gewissen Punkt nur durch Gewalt gestoppt werden, das ist wahr, aber kann im Falle des Terrorismus im 21. Jahrhundert wirklich die letzte Antwort Krieg bedeuten? Nazideutschland, das war wenigstens ein greifbarer Gegner, ein konkretes Ziel, welches es zu bekämpfen galt. Doch Terroristen sind anders. Terroristen sind nicht an Länder gebunden. Als die Alliierten 1945 Nazideutschland besetzten, konnte man sicher sein, dass der Naziterror beendet wurde. Im Jahr 2009 sieht die Sache ein wenig anders aus. Die USA und dutzende weitere Staaten halten Afghanistan seit nun fast neun Jahren besetzt, doch die schaltenden und waltenden Terroristen sind längst in andere Länder abgezogen. Sollte man diese Länder dann etwa auch angreifen? Dann wäre der Plan des Terrors, die Welt ins Chaos zu stürzen, mit Sicherheit aufgegangen. Denn gerade die Antwort der Gewalt, rekrutiert auf der Gegenseite immer neue künftige Krieger.
Kommentar schreiben