Wie Kopenhagen unliebsamen Protest verhindert

Debatte. Die Veranstalter der UN-Klimakonferenz gehen nicht nur mit aller Härte gegen Demonstranten und Nichtregierungsorganisationen vor, sondern auch gegen einige unbeliebte Staatsgäste. Wäre folgende Geschichte einer Frau Bundeskanzlerin Merkel geschehen, wären die deutschen Medien voll mit wütenden Berichten und Kommentaren über das Geschehen. Doch auch beim der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen wird mit zweierlei Maß gemessen und wir müssen uns nicht wundern, warum die hässliche Seite Kopenhagens leider kaum Gehör findet. Relativ bekannt ist noch die Tatsache, dass tausende von Gipfel-Demonstranten teilweise widerrechtlich von der dänischen Polizei in Sicherungsverwahrung genommen wurden. Man muss dabei beachten, dass gegen die Inhaftierten keinerlei schwerwiegende Gründe für eine Festnahme vorlagen und bis jetzt auch nicht vorliegen. Es scheint einzig und allein darum zu gehen, unliebsame Meinungen vom Treffen des von den westlichen Staaten dominierten Treffens fernzuhalten. Doch auch offizielle Staatsgäste des Klimagipfels werden hinterlistig mit Schikanen überzogen.

Chávez wird das Leben schwer gemacht

Das drastischste Beispiel liefert mit Abstand der venezolanischen Staatspräsidenten Hugo Chávez ab. Um eines gleich im Vorfeld klarzustellen: Man muss seine Politik ja nicht unbedingt mögen, jedoch handelt es sich bei Chávez nicht um einen Diktator, sondern um einen legitim gewählten Präsidenten eines Landes. Nur weil dieser nicht in das etablierte Bild vieler Staaten passt, darf man seine Mitarbeit und Teilnahme in Kopenhagen deshalb nicht behindern. Doch die dänischen Gastgeber scheinen diesbezüglich anderer Meinung zu sein. Schon bei der Ankunft auf dem Flughafen mussten die venezolanischen Delegierten rund 45 Minuten auf ihr Gepäck warten, was die Weitereise zum Gipfel erheblich verzögerte. Laut internationalen Bestimmungen ist dieses Vorgehen jedoch nicht zulässig, da es gegen die diplomatischen Rechte verstößt.

Noch viel schlimmer ist jedoch der Vorfall am Mittwochabend. Chávez befand sich zusammen mit weiteren Vertretern seiner Regierung auf dem Weg zu einem Treffen mit Gewerkschaftern und Vertretern sozialer Organisationen. Ihr Ziel hat die Wagenkolonne jedoch niemals erreicht, denn die dänische Polizei hatte anscheinende nichts Besseres zu tun, als den Präsidenten an der Fahrt zu behindern. Diese Blockadehaltung wurde solange aufrechterhalten, bis das Treffen aus Zeitgründen abgesagt werden musste. Offiziell hieß es übrigens von Seiten der Polizei, Chávez hätte “aus eigenen Stücken” nicht an dem Treffen teilgenommen. Fast schon als “Banalität” könnte man noch ergänzen, dass die Rede des venezolanischen Staatspräsidenten natürlich kein Gehör in den deutschen Medien gefunden hat, obwohl diese ein paar interessante Fakten enthielt. So verursachten sieben Prozent der Weltbevölkerung etwa 50 Prozent der schädlichen Emissionen und weitere 50 Prozent der Weltbevölkerung nur sieben Prozent der Klimakiller.
Wie gesagt: Wären diese “bedauerlichen Fälle” Frau Merkel passiert, hätten deutsche Medien zum Protest aufgerufen.

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http://www.wikio.de Von DwD Autor Robert Meyer
Dieser Artikel wurde am 18. Dezember 2009 veröffentlicht und fällt unter die Kategorie International. Du kannst allen Kommentaren über diesen Text mit Hilfe des RSS 2.0 Feed folgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu schreiben oder einen Trackback von deiner eigenen Webseite zu hinterlassen.

4 Responses to “Wie Kopenhagen unliebsamen Protest verhindert”

  1. Harald

    Natürlich berichten nationale Medien mehr über internationale Ereignisse aus Sicht von nationalen Politiker.
    Wäre dem britischen Premierminister dies passiert, würden britische Medien herausragend darüber berichten, bei indischen, chinesischen Politikern usw.würden indische und chinesische Medien verstärkt berichten.
    7% der Weltbevölkerung das sind ca. 420 Millionen Menschen. So weit ich weiß, leben allein in Europa ca. 350 Millionen Menschen. Hinzu kommen noch die USA, China und Indien (insgesamt noch einmal gut 2 Milliarden), so dass das “Faktum” 7% der Weltbevölkerung so nicht stimmen kann.

    Anmerkung der Redaktion: Doch kann es, denn innnerhalb Europas produzieren ja nicht alle Staaten derartig exorbitante Mengen an Emissionen. Chavez bezieht sich in seiner Berechnung auf die Industrienationen, zu welchen Indien und China übrigens nicht zählen. Letztere produzieren pro Kopf übrigens deutlich weniger CO2 als westliche Staaten.

  2. George

    GUT GEMACHT – TERRORISTEN MUSS MAN ABFANGEN
    ausserdem ist der Kerl n i c h t demokratisch gewaehlt – ist ein Dikatador vom uebelstens – wie Pinochet nur von der ROTEN Seite – noch schlimmer !

    Anmerkung der Redaktion:
    Chavez wurde in einer demokratischen Prozess gewählt. Es sei denn, sie bewiesen uns das Gegenteil anhand von Beweisen.

  3. almabu

    Es hat schon seinen Grund, dass ein strammer Däne NATO-Generalsekretär wurde und dass die Mohammed-Karikaturen zuerst in Dänemark erschienen sind. Da hat sich über die Jahre etwas zusammengebraut, was mit skandinavischer Toleranz oder gar Freiheit nur noch sehr wenig zu tun hat.
    Die Dänen haben sich mit dieser Konferenz, die sie klar überfordert hat, bis auf die Knochen blamiert.
    Willkürliches Konferenz-Chaos, Fascho-Prügel-Orgien der Polizei und dümmliche Anbiederung (wg. Hugo Chavez) an die USA durch die dänische Politik. Die kleine Meerjungfrau im Hafen von Cops-die-slagen schlägt sich vor Scham die Schwanzflosse über die Augen…

  4. Patrick

    Die Chavez Rede war genauso flach wie die Reden aller anderer Staatsmänner (USA, EU).
    Sie enthält (berechtigte) Vorwürfe gegenüber den Industriestaaten, Daten (Pro- Kopf- CO2 Ausstoß,…), die längst kein Geheimnis mehr sind. Desweiteren Lobesreden für den Kommunismus und Phrasen wie “Das kann nur die Menschheit gemeinam lösen”.
    Die Bezeichnung “Schwellenland” für China halte ich irreführend.
    Bei China handelt es sich mittlerweile um eine ausgewachsenen Industrie- Nation.
    (die inzwischen besser dasteht wie viele westliche Industrieländer).
    China hat von der Globalisierung und dem ungezügelten Konsum des Westens (v.A. USA) seinen enormen wirtschftlichen Aufstieg zu verdanken.
    (ich sehe in Geschäften fast keine Waren ohne “made in China” mehr)
    “Werkbank der Welt”, Industrie/Wirtschftsmacht sein und dabei Privillegien eines Schwellenlades erwarten passt einfach nicht zusammen.
    Also gelten für China die gleichen Pflichten wie für die USA und EU.

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