Doppelte Doppelspitze

Politik. Auf einer nächtlichen Sondersitzung hat sich die Partei Die Linke auf die Nachfolger der scheidenden Parteivorsitzenden Lothar Bisky und Oskar Lafontaine geeinigt. Ein erwarteter Ost-West Konflikt bleibt damit aus. Die Lehrerin und der Gewerkschafter, die Standhafte und der Ex-SPDler. Schneller als erwartet, hat sich der Vorstand der Linkspartei auf zwei mögliche Nachfolger für die auf dem Parteitag in Rostock nicht wieder antretenden Parteivorsitzenden Lothar Bisky und Oskar Lafontaine geeinigt. Die Suche wurde notwendig, nachdem Bisky bereits vor längerer Zeit erklärt hatte, sich zukünftig auf seine Arbeit im Europaparlament konzentrieren zu wollen. Lafontaine dagegen zieht sich aus gesundheitlichen Gründen größtenteils aus der Bundespolitik zurück. Geht es nach dem Willen des Vorstandes, so würden im Mai die beiden Bundestagsabgeordneten Gesine Lötzsch und Klaus Ernst zur neuen Doppelspitze der Partei gewählt. Beide Politiker wurden in den letzten Tagen bereits hoch gehandelt, nachdem die Parteimitglieder Dagmar Enkelmann und Petra Pau bereits erklärt hatten, nicht für ein weiteres Amt zur Verfügung zu stehen.

Partei bleibt sich treu

Mit der Entscheidung für Lötzsch und Ernst bleibt sich die Partei mit ihrer Tandemlösung treu. Frau und Mann, Ost und West werden künftig gleichermaßen an der Spitze der Linken vertreten sein. Laut Medienberichten soll zwischenzeitlich der Name Gregor Gysi als alleiniger Nachfolger im Raum gestanden haben. Dieser wäre für die Partei allerdings allein schon aufgrund des Alters nur eine Zwischenlösung gewesen. Dabei sind Lötzsch und Ernst in der großen Politik keine Unbekannten. Die 48-Jährige machte bereits von sich reden, da sie zwischen 2002 und 2005 gemeinsam mit der Abgeordneten Petra Pau die Fahne für die damalige PDS im Bundestag hoch hielt. Die Partei war damals an der fünf Prozent Hürde gescheitert. Die stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion hat zudem das Direktmandat im Wahlbezirk Berlin-Lichtenberg bereits drei Mal für sich gewonnen. Zuletzt holte Lötzsch 47,5 Prozent der Stimmen und konnte somit ihr Ergebnis aus dem Jahr 2005 noch einmal verbessern.

Ernst der Kritiker

Der aus Bayern stammende Gewerkschafter Klaus Ernst ist, wie schon Lafontaine, ein ehemaliges SPD Mitglied. Jedoch kam es im Zuge der Hartz Gesetzgebung zu Konflikten mit der Sozialdemokratie. Der 55-Jährige galt innerhalb der SPD als einer der größten Kritiker der Agenda 2010, was dieser auch mehrfach öffentlich erklärte. Da man in der Partei allerdings auf Kurs bleiben wollte und allzu deutliche Kritiker mundtot machen wollte, schloss man Ernst im Sommer 2004 auf Drängen des Vorstandes aus der SPD aus. Doch von der Politik wollte der gelernte Elektromechaniker nicht lassen und so stampfte er 2006 als einer der Gründungsmitglieder die WASG aus dem Boden, welche wenig später mit der PDS fusionierte. Auch in der neu gegründeten Linken genießt Ernst großes Ansehen. Neben seinem Bundestagsmandat ist er momentan stellvertretender Vorsitzender der Partei.

Große Aufgaben

Sollten Lötzsch und Ernst auf dem Parteitag im Mai das Votum der Genossen erhalten, steht ihnen eine große Aufgabe bevor. Nach den von vielen Medien fokussierten Querelen der letzten Wochen müssen die beiden gemeinsam dafür sorgen, dass Die Linke künftig wieder aufgrund ihrer Inhalte wahrgenommen wird.
Neben einer Doppelspitze in der Führung soll es zudem zukünftig eine zweifache Besetzung des Postens des Bundesgeschäftsführers geben. Auch hier werden künftig Frau und Mann den Ton angeben. Als vom Parteivorstand favorisierten Kandidaten gelten die sächsische Landtagsabgeordnete Caren Lay und der hessische Parteivize Werner Dreibus. Beide gelten innerhalb der Partei noch als relativ unbeschriebene Blätter, was letzten Endes aber von Vorteil für die künftige Position gesehen werden kann.

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http://www.wikio.de Von DwD Autor Robert Meyer
Dieser Artikel wurde am 26. Januar 2010 veröffentlicht und fällt unter die Kategorie Politik. Du kannst allen Kommentaren über diesen Text mit Hilfe des RSS 2.0 Feed folgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu schreiben oder einen Trackback von deiner eigenen Webseite zu hinterlassen.

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