Bildung. Die einstige Kulturnation Deutschland betont immer wieder, Bildung sei ihr höchstes Gut. Geht es jedoch um die konkrete Umsetzung verlieren sich die hohlen Phrasen beim Zank um die Finanzierung. Selbst die in der Vergangenheit kaum an sozialer Gerechtigkeit interessierte Union blies eifrig ins Horn, wenn es um das Thema Bildung ging. Denn wo keine soziale Gerechtigkeit, da gibt es auch kein Recht auf Bildung. Viel zu oft scheitert die Aufnahme eines Studiums am eigenen und am Geldbeutel der Eltern. Selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) meint bereits mehrfach, dass dies ein handfester Skandal sei. Doch wenn es um die konkrete Umsetzung geht, dann klingen die ambitionierten Äußerungen schnell nach hohler Phrasendrescherei ohne Substanz.
Besonders auffällig werden derartige Missstände dann, wenn Unionspolitiker im Bund von der Bildungsrepublik Deutschland schwärmen, in den von ihnen geführten Bundesländern jedoch das blanke Gegenteil unternehmen. Denn die Realität sieht oft beschämend aus, wie das Beispiel Bayern zeigt. Dort regieren bekanntlich CSU und FDP gemeinsam. Letztere hätten zu Oppositionszeiten darüber getobt, was sie jetzt selbst verzapfen wollen. Denn im Haushalt 2010 will der Freistaat beim Thema Bildungsausgaben deutlich auf die Bremse gehen. Der Rotstift soll vor allem beim den im Volksmund als “Mensa-Zuschlag” bekannten Zuschüssen des Landes an die Studentenwerke angesetzt werden. Betrug der Etat für diesen Bereich im Jahr 2009 noch 6,7 Millionen Euro, soll er im Haushalt 2010 um ganze 35 Prozent auf 4,1 Millionen Euro eingeschmolzen werden. Den Werken würden damit 2,6 Millionen Euro an Mitteln für die Betreuung der Studentenschaft fehlen. Und das Geld ist gut angelegt, denn immerhin werden durch die Förderung die günstigen Essensmöglichkeiten in den Mensen mitfinanziert. Diese Subvention ist nötig, denn gerade bei Studenten herrscht im Geldbeutel oftmals gähnende Leere. Doch die Mittel der Studentenwerke werden auch noch in anderen Bereichen, wie etwa der Beratung von Studenten oder der Finanzierung von Studentenwohnheimen benötigt. Eine Kürzung des Etats würde damit zwangsläufig eine Erhöhung des Semesterbeitrages und der Preise in den Mensen bedeuten. Und dies im Freistaat Bayern, wo jeder angehende Akademiker ohnehin schon mit bis zu 500 Euro Studiengebühren pro Semester zur Kasse gebeten wird.
Trickreiche Begründung
Die Begründung der Landesregierung indes liest sich wie blanker Hohn. Die Studentenwerke besäßen enorme Rücklagen, heißt es aus dem zuständigen Wirtschaftsministerium. Doch meist sind die Gelder schon verplant, etwas für den Bau neuer Wohnheime. Diese werden auch dringend gebraucht, denn Bayern rangiert beim Verhältnis von Wohnheimsplätzen und Studenten im bundesweiten Vergleich auf einem der hinteren Plätze. Zwar gab es in den letzten Jahren Anstrengungen dies zu ändern, durch die Sparpläne der Koalition könnte diese positive Bewegung jedoch wieder zum Erliegen kommen. Bezahlen dürfen diesen Rotstiftwahnsinn am Ende die Studenten. Oder sie bleiben einer höheren Ausbildung in Zukunft gleich ganz fern.
Februar 2nd, 2010 at 09:24
Wer an Bildung spart, frißt Saatgut auf.