Antifa. Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien hat einen Indizierungsantrag gegen die NPD Schulhof-CD abgelehnt. Der Inhalt der silbernen Scheibe sei durch das Recht auf freie Meinungsfreiheit gedeckt, heißt es. Die von der NPD bundesweit vor Schulhöfen und Jugendklubs verbreitete CD darf damit weiterhin an Jugendliche verteilt werden. Den erstmaligen Antrag auf ein Verbot hatte das Landeskriminalamtes Niedersachsen gestellt, wie aus einem Bericht der Tageszeitung „Neues Deutschland“ hervorgeht. Worüber sich der braune Mob freut, wird bei Schulleitern und Pädagogen für einige Kopfschmerzen sorgen. Denn durch die Entscheidung der BfjM wird es in Zukunft deutlich schwerer werden, die Verteilaktionen der braunen Aktivisten durch die Polizei unterbinden zu lassen.
Leider hat die NPD offenbar dazugelernt. War der Inhalt des verbreiteten Liedgutes in früheren Jahren noch eindeutig als gefährlich für den Nachwuchs einzustufen, kommt die Botschaft der Nazis heute deutlich subtiler rüber. Die aktuellste Version der Schulhof CD („BRD vs. Deutschland)“ bewegt sich daher in einer rechtlichen Grauzone zwischen Meinungsfreiheit und unterschwelliger Verbreitung von NS-Ideologie. Knallharte Indoktrination ist beim ersten Kontakt ohnehin kaum gefragt, denn die Platte wird als eine Art „Einstiegsdroge“ in die rechtsradikale Szene verstanden. Allzu eindeutiger NS-Mief würde bei Jugendlichen ohnehin nur abschreckende Reaktionen hervorrufen.
Und so werden in Zukunft weiterhin braune Platten mit äußerst fragwürdigen Bands wie „Division Germania“ oder „Hassgesang“ unters jugendliche Volk geschmissen. Dabei darf die Wirkung solcher Verteilaktionen vor Schulhöfen bei aller Gefahr nicht überschätzt werden. Denn Nazis haben schon längst andere Vertriebskanäle für ihre braune Saat gefunden. Viele der Lieder finden sich schon seit Monaten auf diversen Portalen im Internet wieder, wo sie jederzeit unkontrolliert heruntergeladen werden können. Für die ohnehin leeren Kassen der NPD ist dieser Form der Verbreitung daher schon längst das zukunftsträchtigere Modell geworden. Diese These wird allein schon durch den Fakt unterstützt, dass die NPD für den Landtagswahlkampf in NRW gerade einmal 10.000 Scheiben pressen lassen will. Im vergleich zu früheren Auflagen ist dies ein echter Witz. Wie so oft stellt sich die Frage, in welcher Form Pädagogen, Eltern und Lehrer damit umgehen sollen, wenn ihre Schützlinge derartiges braunes Gedankengut mit Nachhause bringen oder längst auf den PC, MP3-Player oder das Handy geladen haben. Findet der Nachwuchs die Inhalte der Lieder dann noch in irgendeiner weise „cool“, fühlen sich Erwachsene schnell überfordert. Hilfe kann hier nur noch ein offensiver Umgang sein. Lehrer sollten, falls es eindeutige Hinweise auf die Verbreitung von Naziliedern in einer Klasse gibt, den Inhalt der Stücke am besten zum Teil des Unterrichtes machen. Eine klug vorbereitete Argumentation sollte in aller Regel die Inhalte einer Schulhof CD als braunen Unsinn, welcher sich jeder Grundlage entzieht, entlarven.
PS. Eine konkret formulierte Begründung der Prüfstelle liegt zum bisherhigen Zeitpunkt noch nicht vor. DwD Online wird das Thema weiterhin verfolgen.
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