Gesellschaft. Laut dem Gesundheitsbericht der Techniker Krankenkasse haben psychische Erkrankungen unter Arbeitslosen enorm zugenommen. Ein Grund, so die Macher der Studie, soll u.a. die Hartz Gesetzgebung sein. Dass der immer schneller werdende Arbeitsalltag mit seinem zunehmenden Kampf um die pervertierte Ware namens “Lohnarbeit” auf Dauer viele Menschen krank macht, wird von vielen bereits anerkannt. Ganz anders hingegen sieht es in jenen Fällen aus, wo Arbeitslosigkeit krank macht. Dies klingt zunächst für manchen paradox, da man uns ja regelmäßig das Märchen von der “sozialen Hängematte” einzutrichtern versucht. Und was nach Urlaub auf Kosten der Allgemeinheit klingt, kann wohl kaum schädlich sein. Doch eine Studie der Techniker Krankenkasse (TK) unter 3,4 Millionen Berufstätigen und Arbeitslosengeld-I-Empfängern bringt etwas ganz anderes ans Tageslicht. Fazit der Studie ist nämlich, dass Menschen ohne Lohnarbeit häufiger unter psychischen Erkrankungen leiden als Menschen mit Lohnarbeit. Laut den Machern der Studie soll es dafür vor allem einen Grund geben: Die Hartz IV Gesetzgebung.
Rot-Grün hat Menschen krank gemacht
Was uns Anno 2005 als Agenda 2010 untergejubelt wurde, hat den Druck auf die Bevölkerung nur noch weiter verschärft. Die TK hat bei ihren Untersuchungen herausgefunden, dass die Zahl der Krankengeldbezugszeiten seit der Einführung von Hartz IV stetig zugenommen hat. In den Jahren zuvor gingen die Bezugszeiten übrigens stetig zurück. Die deutlichste Zunahme gab es bei der Gruppe der Arbeitslosengeld-I-Bezieher. So sind Betroffene im Schnitt fünf Tage länger arbeitsunfähig als noch vor zehn Jahren. Arbeitslose Frauen müssen doppelt so häufig Antidepressiva nehmen, als die Gruppe der weiblichen Berufstätigen. Bei den Männern beträgt der Unterschied sogar das Dreifache. Doch wie hängt dies nun mit Hartz IV zusammen? In der TK Studie heißt es, das besonders die Verkürzung des Bezuges von Arbeitslosengeld-I auf 12 Monate dazu beigetragen haben soll. Wer innerhalb von einem Jahr keine neue Stelle gefunden hat, rutscht danach unweigerlich in Hartz IV ab, was wiederum für die meisten Menschen mit noch höheren Belastungen und mehr Stress verbunden ist. Deshalb versucht man alles, um dieser Falle zu entgehen, da sie einen massiven Einschnitt in die persönliche und gesellschaftliche Existenz bedeuten würde. Ganz nach dem Motto: Wer Hartz bekommt, wird zum Menschen zweiter Klasse degradiert. Da es dann oftmals mit dem erhofften Arbeitsplatz nicht klappt, beginnen die Selbstvorwürfe – der Teufelskreis beginnt, psychische Erkrankungen sind jetzt die häufige Konsequenz.
Mai 29th, 2010 at 07:41
Nicht nur die Gesetze machen krank, sondern das SGB III fördert die Krankheit. Wer länger als 6 Wochen krank geschrieben ist, bekommt statt ALG I Krankengeld und die Bezugsdauer des ALG I wird somit verlängert, da die Dauer des Krankengeldbezugs hinten angehängt wird. So kann man das Abrutschen in SGB II um bis zu 72 Wochen verlängern. Dieses Vorgehen ist den meisten Arbeitslosen bekannt und wird gerne angewandt.
Mai 29th, 2010 at 08:34
Wenn Sie nicht bereit sind, für einen Job ans andere Ende der Republik zu ziehen, sind sie nicht nur arbeitsscheu sondern gelten auch als Spielverderber. Und wir alle wissen was mit Spielverderbern passiert. Sie dürfen über kurz oder lang nicht mehr mitspielen, werden exkludiert – abgeschoben aufs Abstellgleis. Verlangt wird der grenzenlos flexible, unbeschränkt belastbare Arbeitnehmer, unglaublich gesund, unglaublich robust und leistungsfähig. Wir leben in einer Gesellschaft, in der unbegrenzte Leistungsfähigkeit zählt und nichts sonst, in der der Marktwert zählt, in der der Wert des Menschen nur am Lineal der Ökonomie gemessen wird. Der bloße homo faber ist Vergangenheit. Er war der Mensch der Moderne. In der Postmoderne reicht es nicht mehr wenn der homo faber, der Mensch einfach arbeitet. Er muss ein homo faber mobilis sein. Er soll in höchstem Maß flexibel, mobil und anpassungsfähig sein. Seit langem wird daher so getan, als sei ein Mensch, wenn er keine Arbeit hat und auch keine kriegt, schlichtweg nicht ausreichend flexibel, nicht ausreichend mobil, nicht ausreichend anpassungsfähig. An der Arbeitslosigkeit ist also angeblich nicht zuletzt derjenige selbst schuld, der keine Arbeit hat – wäre er genügend mobil, flexibel und anpassungsfähig, wäre er also nicht zu bequem, dann hätte er ja Arbeit. Viele Wirtschaftsinstitute und Wirtschaftsprofessoren, Wirtschaftsfunktionäre und Politiker verlangen daher den neuen Menschen, den homo faber novus mobilis, den Menschen also, der über seine Grenzen und Behinderungen hinauswächst.
Mai 29th, 2010 at 11:25
okay ich wusste dass dieses argument kommt und verweise auf die tk studie: etwa doppelt so viele arbeitenslosengeld-I bezieher bekommen psychopharmaka und ich kann ihnen genau sagen, dass niemand solche medikamente nimmt, nur um ein wenig länger alg I beziehen zu können.