Arbeitslose bei Bürgerarbeit die Dummen

Politik. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat ein größeres Modellprojekt angekündigt, wonach tausende Arbeitslose künftig “Bürgerarbeit” verrichten sollen. Ein genauer Blick auf die Idee lohnt sich auf jeden Fall. Was mussten Arbeitslose nicht schon alles für Provokationen ertragen? Mal wollte man sie zur Rattenjagd animieren, dann wieder für einen Euro pro Stunde Arbeiten verrichten lassen, für welche es eigentlich einer Ausbildung bedarf. Letztere erniedrigende Maßnahme sollten viele Menschen, welche auf Hartz IV Leistungen angewiesen sind, gut aus eigener Erfahrung kennen. Hinter all diesen Vorschlägen und umgesetzten Maßnahmen steckt das gleiche immer wieder aufgewärmte Stigma vom faulen Arbeitslosen, welcher ja eigentlich nur zu faul ist und wenn er wirklich wollen würde, auch einen Arbeitsplatz in der freien Wirtschaft finden könnte. Wer sich auch nur einmal mit den Statistiken diesbezüglich genauer auseinandergesetzt hat, weiß ziemlich genau, dass diese Behauptung glatter Unfug ist. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat vor einigen Tagen ein neues Projekt namens “Bürgerarbeit” vorgestellt, welches demnächst erstmalig flächendeckend zur Anwendung kommen soll. Doch schon ein erster Blick verrät: Bürgerarbeit ist eine Mogelpackung. “Zwangsarbeit” auf unterstem Niveau wäre die treffendere Bezeichnung.

Keine Arbeit für Niemanden

Auf lokaler Ebene hat es die “Bürgerarbeit” bereits einige Jahre u.a. in Sachsen-Anhalt und Bayern gegeben. Nun will die Bundesregierung das Projekt drei Jahre lang an rund 160.000 Arbeitslosen erproben. Kosten dieses Unsinn: 1,3 Milliarden Euro. Zunächst sollen die Auserwählten in einer mindestens ein halbes Jahr dauernden “Aktivierungsphase” dahingehend überprüft werden, ob sie nicht doch für den ersten Arbeitsmarkt taugten und welche Fähigkeiten sie dafür mitbringen. Man fragt sich: Was haben die Jobcenter in den letzten Jahren eigentlich getrieben, obwohl genau solche Aufgaben doch eigentlich zu ihrem Profil gehören? Die Antwort darauf ist einfach. Der breiten Bevölkerung soll der Eindruck vermittelt werden, dass nicht etwa fehlende Arbeitsplätze und eine miserable Vermittlung seitens des Staates Schuld sind, sondern jeder Arbeitslose nur einfach nicht genug Willen zeigt. Mit Letzterem hat das Projekt “Bürgerarbeit” ohnehin reichlich wenig zu tun. Die Teilnahme ist verpflichtend, falls man ausgesucht werden sollte. Weigert man sich, werden einen die Bezüge um bis zu 100 Prozent gekürzt.

Hat man die “Aktivierungsphase” überstanden und keinen der von Frau von der Leyen so hoch gelobten Arbeitsplätze in der freien Wirtschaft bekommen, folgt die nächste Stufe der Zwangsmaßnahme. Geht es nach den Träumereien der Ministerin sind an diesem Punkt von 160.000 Arbeitslosen ohnehin nur noch knapp 34.000 übrig. Der Rest hat entweder eine Arbeit gefunden oder entnervt hingeschmissen und verzichtet somit auf weitere Ansprüche. Besagter Rest bekommt dann eine “Bürgerarbeit” vermittelt, was übersetzt nichts anderes bedeutet, als für 900 Euro brutto im Monat Tätigkeiten auszuüben, für welche es einst reguläre Beschäftigte gab oder eigentlich geben sollte. Von der Leyen nennen solche Tätigkeiten lieber “gemeinnützig”. Die traurige Ironie: Vielleicht profitiert ja wenigstens der entlassene Gärtner der städtischen Reinigung, welcher künftig für 900 Euro die gleiche Arbeit verrichten kann.

“Die Bürgerarbeit ist gewissermaßen die konsequenteste Form des Förderns und Forderns”, so auch das konsequente Fazit der Bundesarbeitsministerin. Beim Bürger wird die eindeutige Botschaft hängenbleiben: “Seht ihr! Der Arbeitslose war doch nur zu blöd und zu faul sich um einen Job zu kümmern.”

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http://www.wikio.de Von DwD Autor Robert Meyer
Dieser Artikel wurde am 12. Juli 2010 veröffentlicht und fällt unter die Kategorie Politik. Du kannst allen Kommentaren über diesen Text mit Hilfe des RSS 2.0 Feed folgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu schreiben oder einen Trackback von deiner eigenen Webseite zu hinterlassen.

5 Responses to “Arbeitslose bei Bürgerarbeit die Dummen”

  1. Rita grabowski

    “Die Würde des Menschen ist unantastbar!!!”
    Wer oben ist, kann heutzutage ganz schnell nach unten fallen!Und dann?????????
    Armes Deutschland!Denn Sie wissen nicht, was Sie tun!
    Haben die jenigen denn auch schon an sich selbst das Projekt ausprobiert?????
    Wie einfach,Menschen wie Roboter zu behandeln!Kranke Gesellschaft!

  2. Roter Ritter

    Es ist wieder soweit heute heist es “Bürgerarbeit” damals nannte man es
    “Reichsarbeitsdienst” Hitler läst grüßen das alles kann man nachlesen bei:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Reichsarbeitsdienst

  3. gudrun

    die kommunen und gemeinden stürzen sich nur so darauf….denn so kann man die niedere drecksarbeit quasi umsonst von einem heer von zwangsarbeitern erledigen lassen..und mit der bürgerarbeit lassen sich ja auch wunderschön die arbeitslosenstatistiken “korrigieren”…

  4. O.Breidenich

    Unter Adolf Hitler nannte man es Reichsarbeitsdienst. Wenn die Hartz4 Empfänger bei den
    nächsten Wahlen, es dauert ja noch einige Zeit, nicht rechts wählen, dann ist denen nicht
    mehr zu helfen.

  5. Mats

    Alles richtig, bloss irrt die Regierung in Bezug der “breiten Masse”

    So breit kann nämlich keiner sein, dass er dass Spiel nicht durchschaut.

    Das ganze ist Art pour le Art.

    In Wirklichkeit wird das System von der latenten Gewaltandrohung der Bonzen gestützt.

    Die breite Masse würde sich das Alles längst nicht mehr gefallen lassen, wenn ihr nicht gnerationenlang, spätestnes seit den Bauernkriegen, klargemacht werden würde, dass sie auf die Fresse kriegt wenn sie aufmuckt.

    >>In Erwägung unsrer Schwäche machtet
    Ihr Gesetze, die uns knechten soll’n.
    Die Gesetze seien künftig nicht beachtet
    In Erwägung, daß wir nicht mehr Knecht sein woll’n.

    In Erwägung, daß ihr uns dann eben
    Mit Gewehren und Kanonen droht
    Haben wir beschlossen, nunmehr schlechtes Leben
    Mehr zu fürchten als den Tod.<<
    http://deu.anarchopedia.org/Bertolt_Brecht/Lieder/Resolution_der_Kommunarden

    Tod nun ja- aber bestialische Folter?

    Eben.

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