International. Laut einer aktuellen Studie der Vereinten Nationen achten die größten Konzerne weltweit kaum auf Aspekte wie Nachhaltigkeit oder Naturschutz. Wenn Umweltorganisationen wie Greenpeace oder Robin Wood Alarm schlagen, dann verfallen Großkonzerne oft in eine kindliche Trotzhaltung. Schließlich würde es sich mit den Umweltschützern stets um die immer gleichen Aktivisten handeln, dessen Job es eben sei ein bisschen mehr Naturschutz zu fordern. Anders sollte es jedoch aussehen, wenn eine Organisation wie die UN eine Studie vorlegt, welche den größten Konzernen des Globus schwere Versäumnisse vorwirft.
Irreparable Schäden
Denn die Schäden, welche von den 3000 größten Firmen den Planeten angerichtet, belaufen sich mittlerweile auf ein gigantisches Ausmaß von über 1,7 Billionen Euro. Darunter fallen so wunderbare Dinge wie die Verschmutzung von Luft und Wasser, Vergiftung des Bodens und der Ozeane oder der übermäßige Verbrauch natürlicher Ressourcen. UN-Umweltchef Achim Steiner zeigt sich über die Ergebnisse der Studie schockiert und warnt deshalb heute in der Süddeutschen: “Das natürliche Kapital der Welt wird im großen Stil vernichtet!” Noch immer zeigen sich viele Firmen bedenkenlos, wenn es um Fragen wie den Erhalt von Arten, Lebensräumen und ganzen Ökosystemen geht. Das Uno-Umweltprogramms (UNEP) hat in diesem Zusammenhang eine wichtige Zahl errechnet. Aufgrund der massiven Missachtung der Natur sterben gegenwärtig Arten 100 Mal schneller aus, als es von der Evolution und damit der Natur vorgesehen ist. Großkonzerne interessiert dieser Umstand herzlich wenig. Nur zwei der 100 größten Globalplayer haben sich den Erhalt der Ökosysteme als strategisches Unternehmensziel verpflichtet. Die Mehrheit will weitermachen wie bisher. Woher diese Ignoranz kommt, offenbart ein genauerer Blick in die Studie. Nur knapp ein Viertel der insgesamt 1100 befragten Manager erklärten, dass der Verlust von Ökosystemen für ihr Unternehmen nicht von Bedeutung sei. Was in den Bilanzen demnach erst einmal direkt keine negative Rolle spielt, wird einfach ausgeblendet.
Juli 13th, 2010 at 12:56
“Laut einer aktuellen Studie der Vereinten Nationen achten die größten Konzerne weltweit kaum auf Aspekte wie Nachhaltigkeit oder Naturschutz.”
Das sagt die Studie eigentlich nicht aus. Es geht in der Studie nur um den Punkt der Biodiversität und deren Bedeutung. Nachhaltigkeit steht bei den meisten Großkonzernen relativ weit vorn in der Agenda und die meisten Großkonzerne veröffentlichen dementsprechend auch Nachhaltigkeitsreports. Das steht zumindest in der genannten UNEP-Studie. Das es hier dennoch viel zu tun gibt, ist sicher selbstverständlich.
Biodiversität ist ja ein Teilgebiet des großen Themas Nachhaltigkeit und einigen Firmen fällt es hier leichter, dem eine Bedeutung beizumessen als anderen, da es sie unterschiedlich betrifft (in dem Report findet sich auch eine Aufschlüsselung nach Unternehmensbereichen). Bei SAP wird man Biodiversität in der Firmenagenda weniger wahrscheinlich finden als z.B. bei Lebensmittelkonzernen oder der chemischen Industrie. DwD hat ja auch nicht die Biodiversität in seiner Agenda stehen, sondern nur die Übernahme des Springerkonzerns
Interessant an der Studie finde ich eher, das die Sensibilität in diesem Punkt in den Schwellen- und Entwicklungsländern größer ist als in den Industrienationen. Und in den Industrienationen sitzt wahrscheinlich auch das wichtigste Glied der ganzen Kette, nämlich der Endverbraucher, welcher die Produkte des Großkonzerns kauft (also wir). Die Manager widerspiegeln hier nur die Einstellung unserer Gesellschaft.
PS: In welcher Geschwindigkeit hat eigentlich die Evolution das Aussterben von Arten vorgesehen?
Juli 13th, 2010 at 13:13
Ob man solche Nachhalitgkeitsreports von Firmen für bare Münze nehmen kann, halte ich mal für zweifelhaft. Gibt zum Thema ein paar gute Artikel in einem Sonderheft von Le Monde diplomatique.
Wie hoch die Geschwindigkeit für das Aussterben einer Art ist, kann ich dir auch nicht aus dem Stand sagen. Die UN Zahl soll wohl aussagen, dass eine Art xy heute eben im Durchschnitt 100 Mal schneller ausstirbt als früher.
Natürlich besitzt der Endverbraucher wohl die größte Macht. Viele Firmen betreiben aber ein so massives Greenwashing, wo Ottonormalverbraucher nicht mehr durchblickt. Insonfern wäre es an der Politik hier abhilfe zu schaffen und striktere Maßgaben einzuführen.
Juli 14th, 2010 at 09:16
man muss schon zur kenntnis nehmen, dass eine in zig nationen gespaltene weltgemeinschaft mit zig gegeneinander rivalisierenden interessen niemals in der lage sein wird, eine internationale umweltpolitik zu etablieren, wo faktoren wie handel, vertrieb und produktion einer strengen aufsicht unterliegen. es ist zu hoffen, dass es der unep mit dem world ressourc panel ipsrm gelingen wird, den keim für eine international gültige rechtsarchitektur zu legen. dahinter stünde die idee einer internationalen wirtschaftsunion mit klaren regelungen zur regionalisierung und ökologisierung der globalen wirtschaft.
schaffen wir das nicht, so werden alle bemühungen vergeblich sein.