Politik. Die Bundesregierung plant ab kommendem Jahr die Einführung einer Flugsteuer. Je nach Ziel müssten die Passagiere dann zwischen 13 und 26 Euro mehr zahlen. Die Fluglobby macht indes mit ziemlich plumpen Argumenten mobil. Es ist immer wieder das gleiche Schauspiel, wenn eine Regierung versucht, eine neue Steuer zu erheben. Der betroffene Wirtschaftszweig schickt seine PR-Berater, Pressesprecher und Lobbyisten ins Feld, um mit noch so fadenscheinigen Begründungen Druck auf die Berliner Politik zu machen. Ein Musterbeispiel dieser Art liefert dieser Tage die Debatte über die Einführung einer Flugsteuer. Auf einen Flug innerhalb der EU und einigen ausgewählten Staaten soll ab 2011 eine Steuer von elf Euro erhoben werden. Für die übrigen internationalen Flüge soll es eine Abgabe in Höhe von 26 Euro sein. Besonders Billigairlines wie Air Berlin oder Germanwings laufen Sturm gegen die Pläne und berufen sich dabei teilweise auf haarsträubende Argumentationen. DwD Online hat sich die gängigsten einmal etwas genauer angeschaut:
1. Kunden steigen auf Auto und Bahn um
Besonders auf innerdeutschen Flügen, so heißt es etwa in einem Kommentar der Welt, würden die Kunden dann auf das Auto oder die Bahn umsteigen. Nur zur Erinnerung: Ein Hin- und Rückflug würde sich insgesamt um 26 Euro verteuern. Wer sich den Flug schon heute ohne Abgabe leisten kann, wird doch nicht so wahnsinnig sein, etwa auf den Flug von München nach Berlin zu verzichten. Die gängigsten Argumente für die Nutzung des Flugzeugs sind doch schon immer die Zeit- und Nervenersparnis für den Reisenden gewesen. Durch eine Flugsteuer würde sich daran nicht ändern. Oder verzichtet ein Geschäftsmann aus Geiz auf seinen Flug und quält sich stattdessen mit dem Auto über die vollen Autobahnen? Nachteil bei der Bahn wäre: Die sollen erst einmal ihr Klimaproblem in den Griff bekommen.
Gleiches spielt sich auf innereuropäischen Flügen ab: Es muss niemand ernsthaft behaupten, er würde für einen Hin- und Rückflug von Brüssel nach Prag wegen 26 Euro Mehrkosten mausern und stattdessen im Schneckentempo per Auto reisen.
2. Kunden wandern ins Ausland ab
Gerne wird von den Gegnern der Abgabe das Beispiel der Niederlande erhoben. Die haben es doch tatsächlich im Jahr 2008 gewagt, eine ähnliche Steuer (11,25 Euro innerhalb der EU, alle anderen 49) zu erheben und sind damit kräftig auf die Nase gefallen, was in die Abschaffung der Flugsteuer nach nur einem Jahr gipfelte. Der Grund: Die Passagiere sind auf Flughäfen außerhalb Deutschlands ausgewichen. Drei Mal darf der Leser raten, wo sich diese Flughäfen im Wesentlichen befunden haben. Richtig! Unter anderem der Flughafen Düsseldorf hat massiv profitiert. Deutschland macht es den Fluggesellschaften auch sehr einfach. So erheben wir etwa keine Kerosinsteuer (wie fast alle anderen EU Länder) und verzichten auf eine Besteuerung. Nur die Niederlande erheben eine Kerosinsteuer. Durch den Verzicht üben wir und die anderen EU-Staaten einen enormen Wettbewerbsdruck aus.
Und auch hier gilt: Maximal Personen in Grenzregionen werden, wenn überhaupt, auf andere europäische Flughäfen ausweichen. Und auch nur dann, wenn der Weg nicht zu weit ist und das betreffende Land nicht selbst eine Flugsteuer erhebt. Die Franzosen erheben zwar nur vier Euro, was die mögliche Ersparnis bei einem einfachen Flug allerdings bereits auf neun Euro schrumpfen lassen würde. Ist es das wert? Grundsätzlich sollte bei der Milchmädchenrechnung der Fluggesellschaften aber bedacht werden, dass auch ein außerhalb von Deutschland befindlicher Flughafen erst erreicht werden muss. Jeder zusätzlich zurückgelegte Kilometer kostet den Reisenden nicht nur Zeit sondern auch Geld.
3. Airlines und Arbeitsplätze wandern ab
Unsinn ist auch das Argument bzw. die Drohung von Germanwings, eventuell ins Ausland zu gehen. (siehe hier) Das kann die Airline gerne probieren, nur müsste sie dann genau jene Dinge bedenken, welche bereits unter Punkt zwei erwähnt worden sind. Der zusätzliche Umweg ist es wegen 13 bzw. 26 Euro einfach nicht wert.
4. Auto ist ökologisch viel schlimmer
Aufpassen muss man zudem bei folgenden Argument: “Auf innerdeutschen Strecken werden viele aufs ökologisch sehr viel schädlichere Auto oder bestenfalls noch auf die Bahn ausweichen.” Hier verrät der betreffende Autor der Welt leider nicht, worauf seine Datenlage beruht. Es stimmt: Auf Reisen ist ein Flug gegenüber dem Auto wirklich ökologischer. Allerdings nur solange, wie das Auto nur von einer Person benutzt wird. Sobald mehrere Personen auf vier Rädern unterwegs sind, kippt die CO2 Bilanz massiv zugunsten des Autos.
Fazit: Der Verlust von 10.000 Arbeitsplätzen und der Rückgang der Passagierzahlen um etwa fünf Millionen ist mehr als übertrieben und eine übliche Drohung, um eine ungeliebte Steuer abzuwenden.
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