Warum wir uns nicht über die (theoretische) Mehrheit für Rot-Grün freuen sollten

Debatte. Laut aktuellen Umfragen würden die Bundesbürger SPD und Grüne momentan mit einer absoluten Mehrheit im Bundestag beglücken. Der Erfolg hat aber vor allem mit der Schwäche von Schwarz-Gelb zu tun. Lassen wir einmal die Tatsache außer Acht, dass Umfragen immer mit einer gewissen Portion Skepsis zu betrachten sind. Mehr als eine Tendenz des sich verschiebenden Wählervotums sollte man nicht in solche Zahlenwerke hineindeuten. Allerdings: Aktuelle Befragungen zeigen doch seit einigen Wochen in eine eindeutige Richtung. Die schwarz-gelbe Koalition aus CDU/CSU und FDP hätte seit Wochen keine Mehrheit mehr. Laut dem Stern-RTL-Wahltrend (made by Forsa Institut) könnte Rot-Grün sogar erstmals wieder mit einer absoluten Mehrheit im Bund rechnen. Natürlich nur, wenn kommenden Sonntag Bundestagswahl wäre.

Rückkehr der alten Garden

Die Ergebnisse sehen konkret so aus: Die Union kommt auf 30 Prozent (-1), die FDP verhaart bei vier Prozent und wäre somit nicht mehr im Bundestag vertreten. Stagnieren tut derzeit auch die Partei Die Linke mit elf Prozent. Die Grünen dürfen sich stattdessen seit Wochen über immer mehr potenzielle Wähler freuen und legen im Vergleich zur Vorwoche um einen weiteren Punkt auf 19 Prozent zu. Derartige Höhenflüge hat sich die Partei bis vor wenigen Jahren sicherlich nicht vorstellen können. Die SPD käme wie in der Vorwoche auf 28 Prozent. Etwas Additionsrechnung genügt und schnell wird klar: Rot-Grün kommt gemeinsam auf 47 Prozent, was aufgrund des Scheiterns der Liberalen an der Fünf-Prozent-Hürde für eine respektable Mehrheit im Bundestag reichen würde. Ein Comeback der einstigen Wunschkoalitionäre scheint wieder möglich. Doch wirklich freuen, kann man sich über diese Entwicklung nicht. Einzig Schadenfreude über die Auflösungserscheinungen der gelben Klientelpartei lässt ein wenig Freude aufkommen. Über eine neue Auflage von Rot-Grün sollte man dennoch nicht in Freudentränen versinken. Denn: Sowohl SPD als auch Grüne agieren immer noch mit denselben Garden, wie noch zur Herrschaftszeit unter König Kanzler Schröder. Steinmeier, Gabriel bei den Sozialdemokraten und Roth, Künast, Trittin auf Seiten der Grünen haben bis heute in ihren Parteien überlebt. Hat das Wahlvolk eigentlich vergessen, was wir der rot-grünen Herrschaft alles zu verdanken haben?

Anbei eine kleine Auffrischung der verstaubten Erinnerungen: (Auflistung unvollständig)
- Einführung der Hartz-Gesetze, insbesondere Hartz IV
- Senkung des Spitzensteuersatz von 53 auf 42 Prozent
- Lockerung der Finanzmärkte, u.a. Legalisierung von Hedgefonds
- Abschaffung der Vermögenssteuer
- massiver Ausbau der Leih- und Zeitarbeit
- ersten Kriegseinsatz der Bundeswehr nach dem Zweiten Weltkrieg
-…

Wie gesagt: Beide Parteien arbeiten zu großen Teilen noch immer mit dem gleichen Personal und zeigen bis heute kaum Tendenzen, von solchen fragwürdigen Reformen namens Agenda 2010 abzurücken. Wie kann man dann zu der Annahme kommen, dass eine Machtnahme durch Rot-Grün plötzlich zu einer besseren Republik führen würde? Personell als auch inhaltlich hat sich nichts geändert, wenn man einmal von den leeren Phrasen absieht, welche allein der Oppositionshaltung geschuldet sein dürften. SPD und Grüne profitieren in den Umfragen daher im Wesentlichen aus zwei Gründen: 1. Schwarz-Gelb macht einen miserablen Job. 2. Die Wähler haben mehrheitlich vergessen, was unter Rot-Grüne Phase gewesen ist. Letztere Option scheint von vielen als das geringe Übel betrachtet zu werden. Eine ernsthafte Chance auf einen Politikwechsel ist das aber nicht.

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http://www.wikio.de Von DwD Autor Robert Meyer
Dieser Artikel wurde am 21. Juli 2010 veröffentlicht und fällt unter die Kategorie Politik. Du kannst allen Kommentaren über diesen Text mit Hilfe des RSS 2.0 Feed folgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu schreiben oder einen Trackback von deiner eigenen Webseite zu hinterlassen.

4 Responses to “Warum wir uns nicht über die (theoretische) Mehrheit für Rot-Grün freuen sollten”

  1. RLS

    Sollte es zu Neuwahlen kommen,
    würde nicht mehr Angelika Merkel antreten.
    Ihre Zeit ist vorbei.
    Sollten bei der CDU noch ein paar Leute mit Verstand sitzen,
    werden sie ihren Star Gutenberg bringen,
    der bei den Konservativen ganz gut ankommt.

    Dann können sie die Umfragewerte den Hasen zum essen geben.
    Die Karten wären dann neu gemischt.

  2. admin

    sie glauben also allein merkel ist für die miesen umfragewerte verantwortlich?
    dass dann der baron zum zuge kommt, ist wahrscheinlich

  3. Eher dumm als weise...

    Für die miesen Umfragewerte ist hauptsächlich die Künstlichkeit des schwarz-gelben Bündnisses verantwortlich, die jetzt selbst die durchschauen, die an eine Neuauflage von Kohl-Genscher glaubten. Dass Rot-Grün mit der Agenda 2010 (aus meiner Sicht unumgänglich) tatsächlich etwas zuwege brachte, müssen heute auch die eingestehen, die nie SPD oder Grüne wählen würden.

    Dass DIE LINKE nun etwas neidisch die neusten Werte beäugt, ist indes verständlich. Und ebenso ist verständlich, dass DWD mal wieder ganz unabhängig dagegen anschreiben muss.

    Ich hoffe auf eine Wiederentdeckung von Rot-Grün auf Bundesebene und sei es auch in der Rolle einer wohlorganisierten Opposition.

  4. admin

    Kohl-Genscher 2.0? Mir würde es davor grauen.

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