Wirtschaft. Was Gewerkschafter und Linke schon lange kritisieren und viele leider nicht wahrhaben wollen, lässt sich auch anhand von Statistiken belegen. Deutschland ist ein Niedriglohnland auf Wachstumskurs. Abhängigen Beschäftigten geht es in Deutschland immer schlechter. So zumindest lässt sich eine Studie des Instituts für Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg Essen (IAQ) zusammenfassen. Über 6,55 Millionen Menschen haben im Jahr 2008 für ihre Arbeit nur einen Niedriglohn erhalten. In Zahlen ausgedrückt: Im Westen bedeutet dies einen Stundelohn von weniger als 9,50 Euro. Im Osten liegt der Niedriglohn um ein ganzes Drittel tiefer. Hier wird man von seinem Arbeitgeber massiv ausgebeutet, wenn man einen Lohn unterhalb von 6,87 Euro die Stunde bekommt. Und der Trend sieht düster aus: Allein innerhalb von zwei Jahren ist der Minilohnsektor um satte 220.000 Betroffene angewachsen. Gegenüber 1998 hat sich die Zahl sogar verdoppelt. Deutschland wächst – zumindest wenn es um den Niedriglohnbereich geht. Mittlerweile arbeitet jeder fünfte Beschäftige in diesem Bereich.
Doch es geht noch dramatischer: Von den Niedriglohnbeziehern erhält knapp jeder Dritte im Westen weniger als 4,75 Euro, im Osten gerade einmal noch 3,42 Euro. Es zeigt sich also eine enorme Spreizung selbst in dem Bereich, wo Menschen von ihrer Arbeit definitiv nicht mehr allein leben können. Ebenfalls auffällig: Zur Mehrheit der Niedriglöhner zählen Menschen, welche entweder Migranten und/oder weiblich sind und/oder unter 25 Jahren sind. Doch 80 Prozent der Niedriglohnbezieher besitzen eine abgeschlossene Berufsausbildung oder sogar einen akademischen Abschluss. Tendenz weiter steigend. Das lange gepflegte Vorurteil, wonach nur Menschen ohne Berufsabschluss Arbeiten für Dumpinglöhne nachgehen müssen, ist damit widerlegt. Letztere Gruppe wird demnach immer stärker aus dem Arbeitsleben und in die Arbeitslosigkeit verdrängt. Man könnte auch einfach sagen: Es gibt vorne bis hinten zu wenig Jobs in diesem Land.
Als erste konkrete Maßnahme fordern die Forscher übrigens – was sonst – einen Mindestlohn.
Juli 27th, 2010 at 17:18
Die Zahlen sind doch lange bekannt. Aber es passiert einfach nichts – weder bei Politik noch bei Gewerkschaften.Ich selber habe neben der Ausbildung noch weitere Zusatzqualifikationen – einen Job habe ich nicht und es ist schwer, an einen ranzukommen. Selbst im Niedrig-Hunger-und-kaum-noch-was-zum-Atmen-Lohn. Ach ich könnt so kotzen über diese Entwicklung.
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